Projekt GmbHArchitekten

Rathaus Lüneburg Masterplan

Kategorie
Denkmalpflege
Fertigstellung
2025
Bauherr
Stadt Lüneburg
Baukosten
13.000.000 €
Leistungsumfang
Masterplanung, schadens- u. nutzungstechnische Voruntersuchungen

Rathaus Lüneburg: Masterplan

Das Rathaus Lüneburg wurde vom 13. bis zum 16. Jahrhundert in mehreren Flügeln erbaut. Der Gebäudekomplex ist etwa 120 m lang und enthält viele aufwendig gestaltete mittelalterliche Innenräume. Das Rathaus ist ein Baudenkmal, das nach Alter und Größe nur noch mit dem Lübecker Rathaus verglichen werden kann. Die Baugeschichte ist noch nicht vollständig erforscht.

2004 bündelte die Stadt Lüneburg die Verantwortung für das Rathaus und beauftragte uns, ein Gesamt- konzept für die Instandhaltung und Nutzung zu erstellen. So entstand der Masterplan, der die Jahre von 2007 bis 2025 umfaßt. Da sich für einen Zeitraum von 19 Jahren kein unveränderlicher Plan aufstellen lässt, ist der Masterplan ein dynamisches Instrument. Wichtig ist, dass es für die aufwendigen und langfristig wirksamen Maßnahmen an einem Objekt dieser Größenordnung eine stimmige Gesamtzielsetzung gibt.

Wir haben zunächst die bei den Behörden der Stadt vorhandenen Unterlagen gesichtet und eine Datenbank aufgebaut, die die Zuordnung der Plänen und Texten zu den Bauteilen und Räumen ermöglicht; sie wird zur Verwaltung der Gebäudeinformationen fortgeschrieben. Die Bestandspläne des Gebäudes wurden digitalisiert und mit eigenen Erhebungen ergänzt. Dritte und wichtigste Grundlage der Planung war eine eingehende Bestands- aufnahme des Gebäudes, die in einer Nutzungs- und Schadenskartierung niedergelegt wurde.

Mit diesen Informationen konnten wir, in Abstimmung mit der Stadt, den Masterplan aufbauen. Er besteht aus einer Nutzungsplanung, einer Bauabschnittsplanung ud einer Kostenabschätzung. Die wichtigsten Punkte der Nutzungsplanung sind:

Die Auslagerung des Stadtarchivs, das keine angemessenen klimatischen Bedingungen im Rathaus findet,

Die Vergrößerung des Museums mit verbessertem Zugang und der Einbeziehung historisch wertvoller Räume. Das malereigefaßte Tonnengewölbe des großen Magazinraums, das zur Zeit von einer Zwischendecke verdeckt ist, soll wieder sichtbar gemacht werden,

Die Umgestaltung des Restaurants Ratskeller mit zeitgemässer Küche, erhöhter Hauptnutzfläche und verbesserter Erschliessung,

Die Nutzung historisch wertvoller Räume als Veranstaltungs- und Tagungsräume.

Hiervon leiten sich eine Reihe von Maßnahman ab, die Büros, sanitäre Anlagen, Höfe und andere Vekehrsflächen betreffen.

Die Bauabschnittsplanung bringt diese Maßnahmen in eine sinnvolle Reihenfolge. Sie berücksichtigt aber zusätzlich die Bauschäden, die wir bei der Erhebung feststellen mussten. Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes waren als erstes zu treffen. Dies betraf unter anderem eine Reihe kleinerer Schäden an den Dächern. Größere Maßnahmen waren erforderlich, weil wir festgestellt hatten, dass sich der Nordgiebel des Kämmereigebäudes teilweise vom Gebäude abgelöst hatte. Er wurde inzwischen wieder mit dem Gebäude verbunden.

Fast das gesamte Rathaus Lüneburg ist von Feuchte- und Salzschäden betroffen, die durch salzhaltiger Rohstoffe bei der Ziegel- oder Mörtelherstellung, insbesondere Gispmörtel, schon zur Bauzeit erzeugt wurden. Im Keller des Kämmereigebäudes mussten mehrere Pfeiler mit hohem Aufwand saniert werden, denn die salzbedingten Schäden sind nur mit Spezialmörteln zu reparieren - ein Erbe des salzhaltigen Untergrunds, dem Lüneburg seine Bedeutung und sein Rathaus verdankt.