Projekt GmbHArchitekten

Rathaus Lüneburg, Ambrosiuskeller

Kategorie
Denkmalpflege
Fertigstellung
2013
Bauherr
Hansestadt Lüneburg
Leistungsumfang
LP 1-8

Der Ambrosiuskeller befindet sich im zentralen Bereich des Rathauses Lüneburg unter der Gerichtslaube und gehört mit zu den ältesten Teilen des denkmalgeschützten Rathausensembles. An einen Kernbau aus dem frühen 14. Jahrhundert schließt sich ein Erweiterungsbau aus dem späten 14. Jahrhundert an.

Die einzelnen Joche der Kellerräume sind mit vierteiligen Kreuzrippengewölben überwölbt, die im südlichen Kellerbereich von einem polygonalen Mittelpfeiler getragen werden. Die Wände sind aus klosterformatigen Ziegeln errichtet und wurden bauzeitlich in Gipsmörtel gesetzt.

Zuletzt als Lager des angrenzenden Ratskellers genutzt, soll der Ambrosiuskeller zukünftig im Rahmen von Sonderführungen Rathausbesuchern zugänglich gemacht werden.

Der Ambrosiuskeller wies im Vorfeld der Sanierung umfassende Schäden im statisch-konstruktiven Bereich auf: Teile der Außenwände waren durch Feuchtigkeit stark geschädigt. Es zeigte sich das bei Gipsmauerwerk übliche Schadensbild in Form von Ausbauchungen und Rissbildungen. Auch die Gewölbekappen waren teilweise stark gerissen, das Mauerwerk war an einigen Stellen nicht mehr an die Rippenbögen angeschlossen.

Der Innenpfeiler hatte an Standfestigkeit verloren und wurde bereits vor ca. 100 Jahren mit einem massiven Korsett notgesichert, dessen Zustand jedoch schlecht war.

Die durchgeführten Sanierungsarbeiten beschränkten sich auf eine reine konstruktive Instandsetzung. Das Mauerwerk der Außen- und Innenwände sowie der Gewölbe wurde an den gerissenen Stellen mittels Steinaustausch und Fugenerneuerung gesichert, sich ausbauchende Wandbereiche wurden neu aufgemauert.

Aufgrund seines historischen Werts sollte der Innenpfeiler im derzeitigen Zustand erhalten werden. Dazu mussten die Gewölbelasten mit einer neuen Stahlkonstruktion abgefangen werden. In die Gurtbögen wurden T-Profile eingepasst, die über Traversen und Kleinbohrpfähle die Lasten in den Boden ableiten. Vor den Tiefbauarbeiten wurden die historischen Fußbodenplatten aus einem vermuteten Vorgängerbau archäologisch dokumentiert und für den Wiedereinbau systematisch aufgenommen. In einer der Achsen entschied man sich mit Rücksicht auf den Zustand des Plattenbelags, die Traverse oberirdisch anzuordnen. Der Eingriff in wertvolle historische Bausubstanz wurde somit minimiert.

Abschließend wurde das alte Stützkorsett durch eine filigrane Seilkonstruktion ersetzt. Insgesamt ist die neue Abfangungskonstruktion sehr zurückhaltend ausgebildet und macht das mittelalterliche Gewölbe wieder in seiner ganzen Wirkung erlebbar.