Projekt GmbHArchitekten

St. Nikolaihof Bardowick

Kategorie
Denkmalpflege
Fertigstellung
2013
Bauherr
Hansestadt Lüneburg
Baukosten
1.512.000 €
Leistungsumfang
Gebäudeplanung Lp 1-8, Tragwerksplanung Lp 1-8, Planung Technische Gebäudeausrüstung Lp 1-8, Technische Bestandsaufnahme

Die Kapelle St. Nikolai ist ein Teil des ehemaligen Hospitals St. Nikolaihof, einer Baugruppe am südlichen Rand der Ortschaft Bardowick, welche aus dem mittelalterlichen Leprosenhospital der Stadt Lüneburg hervorgegangen ist. Das Jahr der Gründung des Hospitals außerhalb der Stadtmauern von Lüneburg ist nicht bekannt, erstmals urkundlich erwähnt wird es im Jahr 1251. Ab 1500 wurde der Nikolaihof als Altenheim fortgeführt, in dem auch gesunden Bewohnern als sog. Pfründnern günstiger Wohnraum zur Verfügung stand. Bis heute vermietet die Stiftung St. Nikolaihof die Wohnungen an sozial schwächer gestellte Bürger.

Das Zentrum des baulichen Ensembles bildet die Kapelle, umgeben von Wohngebäuden wie dem Alten Männerhaus, errichtet ab 1440, dem Neuen Männerhaus aus dem 17. Jahrhundert und dem Frauenhaus aus dem 18. Jahrhundert, Pastorat, Organistenhaus und Provisorat aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie mehreren kleineren Wohnhäusern.

Die Kapelle wurde 1310 als einfacher Saalbau errichtet. Von diesem ersten Gebäude ist noch das Westportal mit seinem tiefen Gewände erhalten, welches heute zwischen der Turmvorhalle und dem Kirchenschiff sitzt. Zwischen 1410 und 1435 wurden umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen vorgenommen. So wurde der Westturm im Jahr 1422 errichtet. Wohl bereits im 14. Jahrhundert wurde die Sakristei als zunächst langgestreckter eingeschossiger Anbau angefügt. Sie wurde 1445 um ein Joch verkürzt und gleichzeitig um ein Geschoss erhöht. Spätestens im Jahr 1429 wurde das Kirchenschiff sowohl im Norden als auch im Süden durch Anbauten ergänzt, die wohl abgetrennte Bereiche für die Leprakranken darstellten, in denen diese, nach Geschlechtern getrennt, den Gottesdiensten beiwohnen konnten. Von diesen Gebäudeteilen existiert heute noch der Nördliche Anbau, später als Leichenhalle genutzt. Im Jahr 1435 wurde die Kapelle umfassend neu gestaltet. Die Außenmauern wurden erhöht und die großen spitzbogigen Fenster eingefügt, der polygonale Chorschluss ausgeformt. Unter Verwendung der alten ursprünglichen Gebinde wurde das Dachwerk neu aufgerichtet. Damit hatte die Kapelle im 15. Jahrhundert im wesentlichen ihre heutige Gestalt erreicht, es folgten lediglich kleinere Umbauten, wie die Neuerrichtung des Dachstuhls über dem Nördlichen Anbau im Jahr 1632, der Abbruch des Südanbaus sowie mehrere Renovierungsphasen im Innenraum.

Bei der Kapelle handelt es sich um einen Backsteinbau. Der einschiffige Kirchensaal wird in vier Jochen überwölbt und schließt im Osten mit einem polygonalen Chor ab. Im Westen ist auf quadratischem Grundriss der Glockenturm vorgelagert. Auf der Südseite sitzt ein zweigeschossiger Sakristeianbau mit ehemaliger Orgelempore, im Norden schließt die ehemalige Leichenhalle an. Die Außenmauern werden von den vorgelagerten Strebepfeilern sowie den Spitzbogenfenstern rhythmisch gegliedert. Glasmalereien im Chorscheitelfenster aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts zeigen die Kreuzigung, darüber in der Rosette Gottvater. Die weiteren Chorfenster sind mit der Darstellung des Hl. Nikolaus sowie Wappenscheiben um 1600 ausgestattet.