Projekt GmbHArchitekten

Plaue, Große Mühlenstraße

Kategorie
Archäologie
Fertigstellung
2015
Leistungsumfang
archäologische Baugrunduntersuchung

Beim Ausheben der Baugrube für das Einfamilienhaus traten die gut erhaltenen Reste einer Tonmühle des 19. Jahrhunderts zutage. Etwa 0,7 m unter der Geländeoberkante zeigte sich das Viertel eines kreisrunden, gemauerten Ziegelbeckens von ca. acht Metern Durchmesser, das durch Quermauern in vier gleichgroße Kammern aufgeteilt war. In der Mitte des Beckens stand ein runder Schacht von einem Meter Durchmesser. Bei dem Objekt handelte sich um einen Tonschneider mit angeschlossenen Sumpfbecken und Arbeitsraum. Er bildet in einer Ziegelei das Verbindungsglied zwischen Rohton und fertigem Ziegel. Anlagen dieser Art kamen im westlichen Havelland um etwa 1820 in Mode und waren bis ins frühe 20. Jahrhundert üblich.

Nach dem Sumpfen kam der Ton in den Tonschneider, dessen Messerwerk ihn weiter zerkleinerte und homogenisierte. Anschließend wurde der aufgearbeitete Ton entnommen und zu den unweit entfernten Streichtischen verbracht, an denen er in Ziegelformen gepresst wurde.

Die einstige Ziegelei in der Großen Mühlenstraße gehörte zu einer von fünf Ziegeleien, die allein in der kleinen Ortschaft Plaue betrieben wurden. Bauboom und fortschreitende Industrialisierung der Mark Brandenburg sorgten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts für einen großen Bedarf an Ziegeln. Besonders in Berlin führte das starke Bevölkerungswachstum zu einer regen Bautätigkeit. Für den Bau eines großen Mietshauses mit Ladengeschäften etwa wurden ca. anderthalb Millionen Ziegel benötigt. Der Bedarf an diesen Steinen wurde durch Ziegeleien gedeckt, die sich im Umland ansiedelten. Dort, wo große Tonvorkommen anstanden und sich günstige Transportmöglichkeiten nach Berlin boten, entstanden große Zusammenballungen von Ziegeleien. Mit Zehdenick, Rathenow und Glindow/Brandenburg bildeten sich drei große, an der Havel gelegene Zentren der Ziegelindustrie heraus.

Aufgegeben wurde die Plauer Ziegelei wohl kurz vor dem ersten Weltkrieg, als mit dem Abklingen des Baubooms in Berlin auch das große Ziegeleisterben im Havelland begann: In der Verfüllung des aufgegebenen Tonschneiders fanden sich mehrere Bierflaschen der Plauer Schlossbrauerei, die im Jahre 1913 ihre Tore schloss.

Literatur: T. Trebeß/D. Rathert, Von der Tonmühle zum Eigenheim – Reste einer Plauer Ziegelei in der Großen Mühlenstraße. Historischer Verein Brandenburg (Havel) e.V. (Hrsg.): 25. Jahresbericht 2015-16, Brandenburg an der Havel (im Druck).