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Wettbewerb: Gemeindehaus mit Café an der Stellinger Kirche

Kategorie
Neubau

Gemeindezentrum für die Kirche Stellingen

1. Grundlage des Entwurfes:

Kirche – Hof – Gemeindehaus

Das neue Gemeindehaus liegt als langgestreckter, eingeschossiger Riegel direkt an der nördlichen Grenze des Baufeldes. Auf diese Weise bildet sich zwischen Gemeindehaus und Kirche ein keilförmiger Hof, der sich nach vorne zur Molkenbuhrstraße öffnet. Ein gläserner Zwischenbau verbindet das Gemeindehaus mit dem Kirchengebäude.

Der Kirchhof wird durch eine Grünfläche von der Straße abgeschirmt; eine lange Sitzbank mit Blickrichtung auf die Kirche fasst den Platz und rahmt den Hof ein. Der Platz ist zur Straße hin offen, er ist jedoch nach innen orientiert. Ein breiter Weg führt vom Gehweg zum Kirchplatz und zur Kirche, ein schmaler Weg vom Gehweg zum Gemeindehaus. Der Kirchplatz ist großzügig dimensioniert und das Bindeglied zum Hof.

2. Das Gemeindehaus

Ausrichtung und Kubatur:

Der Entwurf für das neue Gemeindehaus ist – wie die Kirche selbst – bescheiden und zurückhaltend. Die Nordseite bildet mit ihrer gemauerten Ziegelfassade die „Rückwand“ des Riegels, die Südseite öffnet sich vollständig zur Kirche und zum Hof und ist geschosshoch verglast.

Die Stirnseiten des Gemeindehauses sind parallel zu den Stirnseiten der Kirche ausgebildet. Dadurch ergibt sich im Grundriss die Kubatur eines verschobenen, langgestreckten Rechtecks. Der Ostgiebel der Kirche und das Gemeindehaus liegen auf einer gemeinsamen Achse, auf der Westseite ragt das Gemeindehaus weit über den Eingang der Kirche hinaus und rahmt den Kirchhof nach Norden hin ein.

Gebäudeorganisation:

Das neue Gemeindehaus nimmt alle geforderten Räume aus dem Raumprogramm auf, einzig die vorhandene Sakristei wird im Kirchengebäude belassen. Die Grundfläche des Gebäudes beträgt knapp 300 qm; das Gemeindehaus ist vollständig unterkellert.

Die öffentlichen Räume befinden sich jeweils an der Stirnseiten des Gebäudes: An der westlichen Stirnseite zur Straße hin liegt das Café, an der östlichen Stirnseite der Gemeindesaal. Hier, an der Ostwand des Gemeindehauses, hat das runde Mosaikfenster aus dem Vorgängerbau seinen Platz. Der Gemeindesaal lässt sich durch eine Faltwand in zwei Räume von jeweils 30 und 50 Quadratmetern teilen. Ein gläserner Verbindungsgang verbindet das Gemeindehaus mit dem Kirchengebäude. Im Kirchengebäude selbst wurden keine Veränderungen vorgenommen; einzig die Glaswand unter der Empore entfernt.

Der Haupteingang des Gemeindehauses liegt ebenerdig im vorderen Teil des Gebäuderiegels; daran schließt sich das langgestreckte Foyer mit Garderobe, Fahrstuhl und der Treppe ins Untergeschoss an. Das Gebäude kann barrierefrei erschlossen werden. Das Gemeindebüro ist zentral, direkt gegenüber dem Haupteingang angeordnet.

Der kleine Saal mit der Pantry und der Musik- und Jugendraum befinden sich im Untergeschoss. Diese Räume erhalten Tageslicht durch einen 2 Meter breiten Lichthof auf der Nordseite. Diese Räume können sowohl durch das innenliegende Treppenhaus, als auch über die Außentreppe erschlossen werden und sind sowohl nach Norden als auch nach innen zum Treppe hin verglast. Die Archivräume und WC-Räume liegen an den Stirnseiten des Untergeschosses.

Konstruktion – Fassade –Materialität:

Das Gebäude ist ein Massivbau mit Stahlbetondecken. Die Horizontalität des eingeschossigen Gebäudes wird durch eine breite Sichtbetonschürze als oberem Abschluss betont, die als Fertigteil ausgebildet ist. Die raumhohen Fensterelemente zum Hof – aus Holz gefertigt – sind teilweise beweglich und als Hebe-Schiebefenster ausgebildet. Wenn diese Fensterelemente im Sommer bei Veranstaltungen geöffnet werden, kann das Gebäude um die Hoffläche erweitert werden. Textile Elemente vor den Fenstern stellen bei Bedarf den Sonnen- und Sichtschutz her und bilden darüber hinaus akustische Absorptionsflächen.

Das Pendant zur gläsernen Hofseite ist die eher geschlossene Nordfassade des Hauses. Die Lochfassade ist ziegelsichtig und erhält durch die Textur der Ziegelfassade – neben der Sichtbetonschürze – ein weiteres, horizontales Element. Wie beim Kirchengebäude, sind auch beim Gemeindehaus die Ziegel im Flämischen Verband gemauert.

Technischer Ausbau:

Die WC-Anlagen für Gemeinde und Café liegen zusammengefasst im Untergeschoss des Gebäudes und verfügen über eine zentrale Hebeanlage. Der Technikraum neben den WCs ist für die Hausanschlüsse von Wasser, Elektro- und Datenleitungen vorgesehen. Es wird davon ausgegangen, dass die Heizungsanlage der Kirche auch für die Beheizung des Gemeindehauses mit genutzt werden kann.

Energetisches Konzept:

Die Glasfassade auf der Hofseite des Gebäudes verfügt über Wärmeschutzgläser. Ein außenliegender Sonnenschutz ist nicht vorgesehen, da die thermische Belastung im Sommer wegen des höheren Kirchengebäudes und die hohen Bäume als nicht relevant angesehen werden kann. Um bei Bedarf einen Sichtschutz herzustellen, können die textilen, raumhohen Vorhänge genutzt werden.

Brandschutz:

Jeder Aufenthaltsraum des Gemeindehauses verfügt über zwei bauliche Rettungswege, entweder gelangt man durch eine Außentür bzw. durch ein Fenster ins Freie oder durch das Foyer, das als notwendiges Fluchttreppenhaus ausgebildet sind.

Innenraum:

Auch im Innenraum findet sich die Textur des Flämischen Verbandes wieder. Die Wand im Café und die östliche Abschlusswand des Gemeindehauses sind ziegelsichtig. Im Fußboden aus geschliffenem und poliertem Estrich befindet sich eine Fußbodenheizung. Die übrigen Wände sind mit Gipsputz glatt verputzt und weiß gestrichen. Eine mit Holzstufen belegte Betontreppe führt ins Untergeschoss zum kleinen Saal.

Außenraum:

Der Kirchhof, Kirchplatz und die Fußwege um die Kirche herum sind mit hellgrauen Granitplatten belegt. Die Grünflächen werden belassen und rücken Kirche und Gemeindehaus etwas von der Straße ab. Eine lange Sitzbank mit Blickrichtung in den Hof bildet den räumlichen Abschluss des Hofes. Der bestehende Baumbestand wird – bis auf die beiden im Baufeld stehenden Linden – erhalten und rahmt das Gebäudeensemble ein.