Projekt GmbHArchitekten

Domstift Brandenburg Domkirche

Kategorie
Denkmalpflege
Fertigstellung
2011
Bauherr
Domstift Brandenburg
Baukosten
6.500.000 €
Leistungsumfang
LP 1-9, bauhistorische, restauratorische, archäologische, schadenstechnische Voruntersuchnung u. Baubegleitung

Dom zu Brandenburg: Sicherung der Domkirche

Der Dom zu Brandenburg war mehrfach in seiner Geschichte vom Einsturz bedroht. Der westliche Teil des Doms steht auf dem mit Schutt, Schlamm und Dung verfüllten Graben der slawischen Rundburg, die sich bis ins zehnte Jahrhundert an dieser Stelle befand. Dieser Baugrund ist nicht tragfähig, weil die orga- nischen Schichten bei Belastung und unterschiedlichen Grundwasserspiegeln ihre Struktur verändern. So war der Dom unregelmäßigen Setzungsbewegungen ausgesetzt.

Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert wurden die Obergadenwände erhöht und der Dom wurde eingewölbt. Die Lasten auf Wände, Pfeiler und Gründung des Langhauses stiegen, mit der Zeit verformten sich die Arkadenpfeiler, und die Nordwand kippte langsam nach außen. Zur gleichen Zeit erhielt das Chorpolygon ungenügend gegründete äußere Strebepfeiler, die sich allmählich setzten, nach außen kippten und die Apsiswände mit sich zogen. Der Nordturm versank - zuletzt mit einer von uns gemessenen Geschwindigkeit von 0,8 mm pro Jahr - langsam im Baugrund.

In den Jahren 1961-1963 wurden der Großteil der Arkadenpfeiler und die Nordwand des Langhauses nachgegründet. Ab 1989 zeigten sich wieder Rissbildungen in den Gewölben, und ab 1994 mußte das Langhaus mit einem Sicherheitsnetz verhängt werden, weil sich infolge der Rissbildungen Putzschollen ablösten und herunterfielen.

Zur Analyse der statischen Situation hatten wir lasergestützt ein verformungsgerechtes Bauaufmaß erstellt, mit Rissmonitoren die Bewegungen im Dom ermittelt und den Baugrund untersucht. 1997 begann die statische Sicherung des Doms. Die westlichen Arkadenpfeiler, der nordwestliche Außenpfeiler und die Stützen der Orgelempore wurden mit Ortbetonpfählen bis in 13m Tiefe nachgegründet. Die Strebepfeiler des Chorpolygons, die nicht auf dem slawischen Burggraben stehen, wurden mit Kugelkopfbohrpfählen bis in 4m Tiefe nachgegründet. Die Wände des Chorpolygons wurden zusätzlich rückverhängt - über Zuganker, der oberhalb der Fenster im Mauerwerk verlaufen, wurde eine Verbindung zu den Seitenwänden des Chores hergestellt.

Bei der Nachgründung des Nordturms fand das Hochdruckinjektionsverfahren Anwendung, da wegen der engen räumlichen Verhältnisse im Innern des Turms das Einbringen von Bohrpfählen technisch nicht realisierbar war. Es wurden ca. 20 Vollsäulen von 1m Durchmesser und ca. 40 Lamellensäulen in zwei verschiedenen Größen bis zu einer Tiefe von 13m eingespritzt. Die Setzungsbewegungen des Turms während der Arbeiten wurden fortlaufend mit einem Feinnivellement kontrolliert.

Die Struktur der verformten oder gefährdeten Arkadenpfeiler wurde mit Vernadelungen stabilisiert. Dabei werden waagerechte Bohrungen in die Pfeiler eingebracht und Bewehrungsstähle eingelegt. Der verbleibende Raum wird mit Beton verpresst. Dasselbe Verfahren wurde auch am Chorhaupt angewendet. Die Risse im Gewölbe wurden verkeilt und verschlossen; die Malereien und Putze des Gewölbes wurden so schonend wwie möglich behandelt. Die von Karl Friedrich Schinkel stammenden Zuganker, die quer durch das Langhaus laufen, wurden saniert.

1998 konnte der Dom wiedereröffnet werden. 1999 wurden der Dachstuhl, der unter anderem von Echtem Hausschwamm befallen war, und die Haube des Nordturms saniert. 2000 wurde das Dach des Doms neu gedeckt. Sämtliche Arbeiten folgen dem Leitbild der Reparatur und der Substanzverlustminimierung. So wurden beispielsweise im Bereich der Dachkonstruktion fast ausschließlich handwerksgerechte Techniken angewendet und Hölzer nur soweit beschnitten, wie es aufgrund des Schadensbefalls unbedingt notwendig war.

Alle Maßnahmen wurden durch intensive restauratorische und bauhistorische Untersuchungen begleitet, die noch andauern. Ein Verlust historisch bedeutender Befunde konnte auf diese Weise weitestgehend vermieden werden. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die weitere wissenschaftlichen Untersuchung der Baugeschichte des Doms und für die Entwicklung des Restaurierungskonzeptes, das noch aussteht - erkennbar z.B. an den sanierten, aber noch unverputzten Gewölberissen.