Projekt GmbHArchitekten

Domstift Brandenburg Burghof 6

Kategorie
Denkmalpflege
Fertigstellung
2011
Bauherr
Domstift Brandenburg
Leistungsumfang
LP 1-9

Bau- und Nutzungsgeschichte

Das Gebäude Burghof 6 gehört zu den ältesten des Domensembles. Es wurde im 13. Jahrhundert, möglicherweise als Hospital des Domstiftes, errichtet. Eine Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1230 belegt ein entsprechendes Bauvorhaben, der Stifter war ein Ritter aus Pritzerbe, der nicht dem Domkapitel angehörte. Es ist allerdings nicht sicher, ob sich die urkundliche Erwähnung auf Burghof 6 bezieht. Das Gebäude ist somit nur etwa 70 Jahre jünger als die Domkirche (Grundsteinlegung 1165) und etwa gleichzeitig mit dem gegenüberliegenden Nordflügel der Domklausur entstanden.

Trotz einer Reihe von Umbauten sind an der Südfassade und am westlichen Giebel noch Teile des Ursprungsbaus vorhanden. Auch ein tonnengewölbter Keller stammt noch aus der Bauzeit. An der Westfassade hat sich der östlichen Giebel eines spätmittelalterlichen Anbaus (möglicherweise der ehemals mit dem Nordflügel der Domklausur verbundenen Propstei) erhalten. Mit der Aufhebung der Ordensregel im Jahr 1507 endete das gemeinsame Leben der Domherren in der Domklausur, sie bezogen eigene Häuser – die Domkurien. Das Gebäude Burghof 6 wurde in diesem Zusammenhang Anfang des 16. Jahrhunderts zur Seniorenkurie umgebaut. In dieser Zeit wurde der Westgiebel erhöht und der Ostgiebel wurde neu errichtet.

Weitere Umbaumaßnahmen werden aus dem Jahr 1583 berichtet, damals erhielten vier Räume des Erdgeschosses Renaissance-Stuckdecken, die im Jahre 1980 abgenommen und in die museal genutzten Räume des Ostflügels der Domklausur verlagert wurden. Nach weiteren baulichen Veränderungen Anfang des 17. Jahrhunderts erfolgte um 1800 ein grundlegender Umbau, bei dem das Gebäude wesentliche Elemente seiner heutigen Gestalt erhielt (große rechteckige Fenster, mit Korbbögen überwölbte Eingänge, Putzgliederung mit Lisenen). Seine Funktion als Seniorenkurie behielt das Haus bis 1902, um dann an die Ritterakademie (1705 auf dem Gelände gegründete Schule des märkischen Adels) vermietet zu werden, die es bis 1945 unter anderem als Krankenstation nutzte. Im Jahre 1909 wurde die neogotische Turnhalle der Ritterakademie angebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als städtisches Alten- und Pflegeheim, die Bauunterhaltung wurde jedoch stark vernachlässigt. Im Jahre 1971 stellte die Baupolizei Einsturzgefahr fest und sperrte das Gebäude. Wenige Jahre später – von 1979 bis 1982 – wurde eine grundlegende Sanierung und Umbau zum Predigerseminar durchgeführt.

Heutige Nutzung

Im Jahre 2005 endete die Nutzung als Predigerseminar, ein Ort der Bildung ist das Gebäude jedoch mehr denn je. Von 2010 bis 2011 wurde es vom Domstift mit einem Baukostenaufwand von rund 2,6 Mio Euro für den Hort und die Evangelische Grundschule umgebaut. Die ehemalige Turnhalle der Ritterakademie dient heute als Schulmensa. Zwischen dem Altbau Burghof 6 und der Turnhalle wurden zwei hässliche jüngere Anbauten abgerissen, an ihrer Stelle entstand der einzige Neubau auf dem Burghof, der den Haupteingang, die Küche und den Kunstraum aufnimmt.

Wie der gegenüberliegende Nordflügel der Domklausur erhielten die Nord- und Südfassade des Hauses Burghof 6 eine dünne Putzschlämme, die die Spuren der einzelnen Bauphasen sichtbar macht. Die beiden Giebel blieben ziegelsichtig. Im Inneren entstanden moderne und farbenfrohe Hort- und Klassenräume, doch auch hier erzählt manche mittelalterliche Mauerwerkswand von der über siebenhundertjährigen Geschichte des Gebäudes. Die Mensa in der alten Turnhalle ist heute ein schöner, lichtdurchfluteter Raum, der durch die sichtbare Stahlbinder-Dachkonstruktion einen besonderen Reiz erhält.

Im Mai 2013 wurde das Gebäude von der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg als Denkmal des Monats ausgezeichnet.